Im Juni reiste ich oftmals in die Vergangenheit zurück, aber es gab auch Schritte in dei Zukunft. In meinem Monatsrückblick nehme ich dich mit durch den Juni.
Vom Nomadentum zur Sesshaftigkeit
Endlich sind wir angekommen. Seit 2016 bin ich mit den Pferden in mehreren Ställen unterwegs gewesen. Zwar habe ich die Pferde immer in Eigenregie gehalten. In den 5 Jahren haben wir allerdings trotzdem 2 Ställe bewohnt und sind zwischen endlosen Koppeln umhergetingelt. Das ist jetzt vorbei. Ich konnte eine Wiese pachten. Die haben wir sofort mit festen Koppelpfählen umzäunt und nun endlich kam auch der Bausatz für den Pferdestall an. Wir haben uns an einem Wochenende an die Arbeit gemacht und mit einigen helfenden Händen den Pferdestall innerhalb von neun Stunden aufgebaut. Richtfest haben wir natürlich auch gefeiert mit Pizza und (alkoholfreiem) Bier.Und die Pferde haben den Stall sofort angenommen. Sie stehen ziemlich oft drin, nicht weil sie Schatten suchen. Es sind einfach weniger Fliegen und Kriebelmücken im Stall.
Der Winter kann kommen
In 2019 hatten wir beschlossen, wir machen unser Heu selbst. Also haben wir auch in diesem Jahr wieder angespannt und gemäht, gewendet und geschwadet. Es war auch richtig viel gewachsen. Zum ersten Mal habe ich mit unserem Traktor Heu gewendet. Und ich fühlte mich so an meine Zeit auf „LPG“ in Mecklenburg zu Studienzeiten zurück erinnert. Jewels drei Stunden war ich im Traktor mit meinen Gedanken allein. Hin und her und her und hin bin ich gefahren. Ein bisschen wie Meditation. Letzdenlich haben wir das Heu trocken pressen können. Die Pferde können sich also auf einen Winter mit Futter bester Qualität freuen.
Der Russe vom Opa
Mein Opa war Traktorist auf der LPG. Er war ständig auf dem Acker unterwegs. Als er dann Rentner war, haben wir unser eigenes Stück Land bewirtschaftet. Wir haben jedes Jahr Kartoffeln, Rüben und Getreide angebaut. Und das entweder mit dem Pferd oder mit einem Belarus MTS 50, genannt Russe. Ich kenne meinen Opa eigentlich nur mit diesem Traktor. Und auch alle Leute aus unserem Dorf wussten, dass mein Opa mit dem Traktor gerne hilft. So stand im Winter der Töpfer vor der Tür, der sich n einer Schneewehe fest gefahren hatte und bat darum, dass mein Opa ihn mit dem Traktor frei schleppt. Und so manch einer ließ sich von meinem Opa den Garten umpflügen. Leider hatte mein Opa vor ein paar Jahren einen Unfall. Seitdem fährt er Rollstuhl. Deshalb kann er keinen Traktor mehr fahren. Und in diesem Jahr fragte er mich, was der Traktor denn bringen würde, wenn er ihn verkauft. Mir brach bei der Frage das Herz. Es war so offensichtlich, dass mein Opa nie mehr würde fahren können. Aber den Traktor deswegen weggeben? Der war doch ein Teil meines Opas. Und so habe ich den Traktor übernommen. Als der LKW mit der wertvollen Fracht hier in Sachsen-Anhalt in unsere Straße einbog, rollten mir die Tränen übers Gesicht. Mir war, als wäre mein Opa nicht mehr unter den Lebenden. Wie ein Abschied für immer, weil in meinem Kopf der Traktor wie ein Körperteil von Opa war.
Nun steht der gute hier. Mein Sohn war sofort verliebt in den Russen. Die Probefahrt mit meinem Mann hat er genossen. Nur mit mir will mein Sohn nicht Traktor fahren, aber das ist eine andere Geschichte.
Wir wollen den Russen in dem Zustand lassen, in dem er von meinem Opa kam. Das ist zwar nicht ganz Original, aber Opa zu Ehren bleibt er so.
Manege frei
Als Kind habe ich den Zirkus geliebt. Der Geruch alleine schon und dann die Pferde in der Manege. Einfach bezaubernd.
Nun kam nach mehr als 1,5 Jahren ein Zirkus in die Stadt. Zwei Zirkusmitarbeiter besuchten mit der Würgeschlange Paula den Kindergarten. Ich muss nicht erwähnen, was für eine Auswirkung das auf meine Kinder hatte, oder? Also machten auch wir uns auf in die Wunderweld zwischen Akrobatik und Tierdressur. Und ich fand es immer noch so schön, wie in meiner Kindheit. Auch die Kinder waren begeistert. In der Tierschau konnte man dann auch noch auf Kamelen reiten und Welpen streicheln. Nach zwei Stunden fuhren wir vergnügt und verzaubert nach Hause.
Besuch in Mecklenburg
Kurz vor der Sommersonnenwende waren meine Familie und ich in Mecklenburg zu Besuch bei meinen Eltern. Es ist für mich immer wieder spannend, dort hoch zu fahren. Da denke ich, ich bin so sehr in meiner Mitte. Aber ein Besch bei meinen Eltern zeigt mir, dass ich gerne noch an mir und meinen Triggern arbeiten darf. 🙂 Die KInder haben es genossen, bei den Großeltern zu sein. Wir waren im See baden, haben gegrillt und kleine Katzen bestaunt. Ich liebe es einfach, wenn de Kinder naturnah aufwachsen und alles neugierig bestaunen und anfassen und begreifen können. Da wird auch mal ein toter Fisch aus dem Wasser gezogen und genau unter die Lupe genommen. Ich hoffe, diese Neugierde behalten sie noch lange bei.
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